Garbage In, Garbage Out: Warum saubere Daten die Voraussetzung für jede Digitalisierung sind

Garbage In, Garbage Out: Datenqualität in der Digitalisierung | applied technologies GmbH

"Wenn die Datenbasis nicht stimmt, liefert auch das beste System falsche Ergebnisse. Schnell, überzeugend und deshalb gefährlich. Denn darauf trifft jemand eine Entscheidung."

Es gibt einen Satz, den IT-Leiter und IT-Projektleiter kennen und der in Projekten trotzdem zu selten laut ausgesprochen wird: „Garbage In, Garbage Out."

Was immer man an Analyse, Automatisierung oder Künstlicher Intelligenz obenauf baut: Wenn die Datenbasis nicht stimmt, liefert das beste System die falschen Ergebnisse. Präziser, schneller und teurer falsch - aber eben falsch.

Dieser Beitrag beschäftigt sich nicht mit den Symptomen. Er beschäftigt sich mit der Ursache.

Warum Excel-Silos entstehen und warum sie bleiben

Excel ist nicht das Problem. Excel ist die Lösung, die jemand vor Jahren für ein konkretes, begrenztes Problem gefunden hat. Eine Tabelle für die Stammdaten. Eine Tabelle für die Projektinformationen. Eine Tabelle für die Projektverfolgung. Jede für sich sinnvoll, jede gepflegt, jede „irgendwie" aktuell.

Das Problem entsteht nicht beim ersten Anlegen dieser Dateien. Es entsteht, wenn das Unternehmen wächst, wenn Systeme hinzukommen, wenn Teams größer werden und die Frage auftaucht: Welche Version ist die richtige?

In der Praxis beobachten wir bei IT-Leitern in nahezu jeder Branche dasselbe Muster:

  • Mehrere Abteilungen führen parallele Datenbestände mit unterschiedlichen Ständen.
  • Datenübertragungen zwischen Systemen passieren manuell. Wöchentlich, manchmal täglich.
  • Der Aufwand dafür wird als normal akzeptiert, weil er schon immer so war.
  • Entscheidungen werden getroffen, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass die Datenbasis nicht vollständig verlässlich ist.

Das ist kein Versagen einzelner Menschen. Es ist das strukturelle Ergebnis gewachsener Systemlandschaften ohne zentrales Datengerüst.

Wichtig zu verstehen: Excel ist dabei nicht der Feind. In den Branchen, in denen wir intensiv arbeiten, ist Excel der wesentliche Baustein für Stammdaten, Projektinformationen und die operative Projektverfolgung - und wird es auf absehbare Zeit bleiben. Die Frage ist nicht, ob Excel genutzt wird, sondern wie die Daten aus Excel verlässlich in eine zentrale, konsistente Datenbasis überführt werden.

Das Muster in zwei Branchen - und was dahintersteckt

In der Telekommunikations- und Glasfaserbranche ist es vor allem die Systemvielfalt, die das Problem erzeugt. Typische Quellsysteme in einem Telko-Unternehmen:

  • CRM für Kundendaten und Vertriebsprozesse
  • OSS (Operations Support Systems) für den Netzbetrieb
  • BSS (Business Support Systems) für Auftragsmanagement und Abrechnung
  • Billing-Plattformen mit eigenen Datenformaten
  • Externe Partner-APIs mit unterschiedlichen Schnittstellen

Diese Systeme sprechen unterschiedliche Sprachen, liefern unterschiedliche Datenformate und werden von unterschiedlichen Teams gepflegt. Das Ergebnis: Berichte, die je nach Quelle zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Entscheidungen, die auf Basis des letzten manuell zusammengeführten Exports getroffen werden. Und ein wachsender Aufwand für die Datenaufbereitung, der eigentlich im Business gebraucht würde.

Während in der Telekommunikation vor allem die Systemvielfalt das Problem ist, kommt in der Erneuerbaren-Energien-Branche noch eine ganz andere, analoge Hürde hinzu. Eine, die in dieser Form kaum eine andere Branche kennt.

Windparks werden in ihrer Gesamtheit ge- und verkauft. Was bei einer solchen Transaktion passiert, ist für jeden, der es zum ersten Mal erlebt, eine Überraschung. Der Käufer erhält die gesamte Datenhistorie des Windparks, aber nicht als strukturierter Datensatz. Sondern als:

  • PDF-Dokumente mit hundert oder mehr Seiten
  • handschriftliche Notizen und eingescannte Sterbeurkunden von Grundstückseigentümern
  • jahrzehntealte Pachtvertragsklauseln in unterschiedlichen Formaten
  • Abrechnungsinformationen aus unterschiedlichen Epochen der Betriebsführung
  • oder schlicht: ordnerweise Papierdokumente

All diese Informationen müssen nun in das Zielsystem des Käufers übernommen werden. Stammdaten, Vertragsdaten, Grundstücksinformationen, Fristen, Zahlungskonditionen. Bisher war das ausschließlich manuell möglich: Seite für Seite lesen, relevante Informationen extrahieren, in das Zielsystem einpflegen. Bei komplexen Beständen ein Aufwand von Wochen.

Wir haben dafür eine KI-basierte Komponente entwickelt, die diesen Prozess teilautomatisiert. Auf Basis der Microsoft Power Platform werden eingehende Dokumente automatisch analysiert, relevante Vertragsinformationen extrahiert, strukturiert aufbereitet und direkt in das Zielsystem überführt. Die Lösung ersetzt nicht die menschliche Überprüfung, aber sie reduziert den manuellen Erfassungsaufwand erheblich und senkt gleichzeitig die Fehlerquote. Den vollständigen technischen Deep Dive dazu finden Sie hier: KI-Vertragsanalyse: PDFs mit Power Platform automatisieren.

Was beide Branchen verbindet, gilt für jeden Digitalisierungsprozess: Wer Daten automatisiert verarbeiten, analysieren oder mit KI anreichern will, braucht zuerst eine verlässliche, einheitliche Datenbasis. Ohne dieses Fundament bleibt jede weitere Investition in Technologie ein Experiment mit unsicherem Ausgang.

„Single Source of Truth ist kein Marketingbegriff. Es ist ein Architekturprinzip."

Der Begriff, den IT-Leiter kennen sollten: Single Source of Truth

Es gibt genau eine autoritative Quelle für jeden Datensatz im Unternehmen. Nicht eine beste Quelle unter mehreren. Eine einzige. In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Datensatz - etwa ein Vertragswert, ein Anlagenparameter oder ein Kundenstatus - an zwei Stellen unterschiedlich hinterlegt ist, dann ist keine der beiden Stellen die SSOT. Dann hat das Unternehmen ein Datenproblem, das es vielleicht noch nicht als solches benennt.

Der Weg zur SSOT ist kein einmaliges Projekt. Er ist ein Reifegrad-Prozess mit drei Stufen:

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Stufe 1 - Sichtbarkeit

Datenquellen inventarisieren, Inkonsistenzen identifizieren, Daten-Verantwortlichkeiten klären. Wer hat welche Daten? Wer pflegt sie? Wer verlässt sich darauf?

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Stufe 2 - Integration

Datenströme automatisieren, manuelle Übertragungen ersetzen, eine zentrale Plattform einführen, die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt und veredelt. Für branchenspezifische Anwendungsfälle - wie z. B. die Übernahme von Vertragsdaten bei Windpark-Transaktionen - kommen hier KI-gestützte Komponenten zum Einsatz, die bisher rein manuelle Prozesse teilautomatisieren.

Hier entsteht der semantische Layer: Begriffe sind vereinheitlicht, Kennzahlen
einmal sauber definiert, Beziehungen explizit. Genau das macht Daten maschinell
interpretierbar.

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Stufe 3 - Governance & operative Führung

Rollenbasierte Zugriffskonzepte, Datenqualitäts-prüfungen, Compliance-Anforderungen. Daten werden hier nicht mehr nur ausgewertet, sondern verbindlich geführt: mit Eingaberegeln, Freigaben, Versionierung und definiertem Prozessfluss.

KI-Readiness beginnt ab Stufe 2. Sobald Daten zusammengeführt, harmonisiert und fachlich eindeutig beschrieben sind, kann KI darauf belastbar arbeiten. Dafür braucht es keine neue operative Plattform.

Stufe 3 ist deshalb kein Sprungziel, sondern eine Folge. Sie wird relevant, wenn Daten nicht mehr nur ausgewertet, sondern verbindlich geführt werden müssen.

Entscheidend bleibt die Reihenfolge. Wer eine operative Plattform aufbaut, bevor Begriffe und Beziehungen geklärt sind, verlagert Unschärfen nur in eine andere Technologie. Wer umgekehrt Stufe 1 auslässt, weiß nicht, welche Daten er überhaupt zusammenführt.

Drei häufige Fehler beim Einstieg

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Auf das große Projekt warten

Viele Unternehmen schieben das Thema auf, weil sie ein vollständiges Konzept und großes Budget für nötig halten. Zielführender: Mit einem klar abgegrenzten MVP starten und erste Ergebnisse in Wochen sehen.

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Die Plattform vor der Strategie wählen

Technologieentscheidungen sollten der Strategie folgen, nicht umgekehrt. Ohne geklärte Datenverantwortlichkeiten baut man auf Sand, egal wie gut die Plattform ist.

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Governance als letzten Schritt behandeln

Berechtigungskonzepte und Datenschutz-Anforderungen sind kein bürokratisches Hindernis, sie sind der kritische Pfad. Wer sie frühzeitig klärt, startet schneller.

Praxisbeispiele

Was das konkret bedeutet

Telekommunikation
Glasfaser-Anbieter mit LATUS consulting

Heterogene Quellsysteme, manuelle Exporte, kein konsistentes Reporting. Ergebnis: automatisierte Datenpipelines auf Microsoft Fabric, BI-Reporting für Geschäftsführung - erste Ergebnisse nach wenigen Wochen.

Praxisbericht lesen
Erneuerbare Energien
apptech Business Essentials RE

Fragmentierte Datenwelten aus SAP, Jedox, Rotorsoft und Excel verbunden - ohne Systemwechsel. KI-Komponente für Vertragsdaten-Übernahme bei Windpark-Transaktionen.

Zur Plattform

Der Weg zur KI-Readiness beginnt mit der Datenbasis

Künstliche Intelligenz, Copilot-Integrationen, automatisierte Analysen: all das sind legitime Ziele. Aber sie setzen voraus, dass die Daten, auf denen sie arbeiten, verlässlich, vollständig und konsistent sind.

Garbage In, Garbage Out gilt für jede KI-Initiative genauso wie für jedes klassische Reporting-System. Der Unterschied: Bei KI ist der Fehler schwerer zu erkennen, weil das System selbstbewusst klingende Antworten liefert, auch wenn die Datenbasis nicht stimmt. Das gilt für ein automatisiertes Dashboard genauso wie für eine KI, die Pachtverträge analysiert: Wenn die eingespeisten Dokumente unvollständig oder falsch strukturiert sind, arbeitet die KI trotzdem, nur eben auf falscher Grundlage.

Der erste Schritt zur KI-Readiness ist deshalb nicht die Wahl des richtigen KI-Modells. Es ist die Frage: Auf welche Daten soll diese KI zugreifen. Und stimmen sie?

Ihr nächster Schritt - je nach Ausgangslage

Wo steht Ihr Unternehmen in diesem Prozess?

Wir analysieren Ihre aktuelle Datensituation und zeigen, welcher Einstieg für Ihre Ausgangslage sinnvoll ist: in einem kostenlosen Erstgespräch.

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