Nachbericht zum 19. Meeting der Power Platform User Group Ruhrgebiet – EPPC 2026 in Kopenhagen

Nachbericht zur European Power Platform Conference 2026

Vier Tage Kopenhagen, vier Kolleginnen und Kollegen vor Ort: Fabian, Franziska, Sebastian und Timo haben Ende Juni die European Power Platform Conference 2026 besucht. Die EPPC gilt als eine der größten Veranstaltungen zur Microsoft Power Platform in Europa.

Am 24. Juli haben die vier beim 19. Meeting unserer Power Platform User Group Ruhrgebiet berichtet, was sie mitgebracht haben. Drei Themen standen im Mittelpunkt.

Generative Pages: ein neuer Seitentyp in Model-Driven Apps

Wer die Power-Apps-Welt verfolgt, verliert langsam den Überblick. Model-Driven Apps, Canvas Apps, Code Apps, PCF-Komponenten, Vibe Apps. Und jetzt Generative Pages. Dieser Seitentyp lebt innerhalb von Model-Driven Apps, basiert auf React und erlaubt individuelle Oberflächen (Kanban-Boards, interaktive Dashboards) als eigenen Menüpunkt.

Entwickeln lässt sich auf zwei Wegen. Über die Browser-Oberfläche generiert eine KI den Code. Das funktioniert für Prototypen, aber nicht für den Produktivbetrieb: Die UI-Variante hängt an GPT-4.1, ist nur in den USA, UK und Australien verfügbar und kennt keine echte Versionskontrolle.

Der zweite Weg führt über Code-Tools wie GitHub Copilot CLI oder Claude Code. Hier wählt man das KI-Modell selbst, der Quellcode liegt in Git, und das Ergebnis ist heute schon produktionstauglich.

Was aktuell fehlt: Generative Pages lassen sich nicht in Formulare einbetten und nicht appübergreifend wiederverwenden. Externe Bibliotheken beschränken sich auf Fluent und D365. Microsoft hat angekündigt, viele dieser Punkte zu adressieren, darunter Einbettung in Formulare, Connector-Unterstützung über Dataverse hinaus, eigene React-Komponenten und die Möglichkeit, Power Automate Flows direkt auszulösen.

Sebastian machte einen Punkt, der für viele Unternehmen interessant sein dürfte: Generative Pages schlagen eine Brücke zwischen Citizen Developern und Pro Developern. Auch Anwender ohne tiefes Entwicklungswissen kommen mit KI-Unterstützung zu Ergebnissen, die vorher Spezialisten vorbehalten waren.

Copilot Studio: komplett neues Architekturmodell

Microsoft hat Copilot Studio nicht einfach erweitert, sondern umgebaut. Die bisherige Struktur mit Topics, Agent Triggers und Child Agents gibt es so nicht mehr. An ihre Stelle treten drei neue Bausteine.

Ein Skill folgt schriftlichen Anweisungen in natürlicher Sprache. Geeignet, wenn der Agent klare Schritte abarbeiten soll. Ein Workflow mischt feste Pfade mit KI-Klassifikation und Agent-Aufrufen. Und ein Connected Agent ist ein eigenständiger Agent mit eigenen Tools und eigenem Wissen, für Aufgaben, die spezialisierten Kontext erfordern.

Power Fx-Ausdrücke entfallen komplett.

Das auffälligste neue Konzept heißt Agentic Loop. Ein Agent plant einen Schritt (Reason), führt ihn aus (Act), bewertet das Zwischenergebnis und wiederholt den Zyklus, bis die Antwort stimmt. Bei Bedarf ruft er zwischen den Zyklen weitere Datenquellen oder APIs ab. In der Praxis heißt das: bessere Antworten bei komplexen Aufgaben, weil der Agent nicht nach dem ersten Versuch aufhört.

Copilot Studio positioniert sich damit für drei Anwendungsfälle: eigene Unternehmens-Agents bauen, Microsoft 365 Copilot erweitern und mit Microsoft Foundry zusammenarbeiten.

Agentic Authoring: wenn KI-Agents die Power Platform bedienen

Unter Agentic Authoring fasst Microsoft Werkzeuge zusammen, mit denen KI-Agents direkt auf der Power Platform arbeiten. Den Kern bilden drei Skill-Pakete:

Dataverse Skills (Python-Zugriff auf Dataverse, Schema- und Datenverwaltung, Deployment über Umgebungen hinweg). Power Platform Skills (Erstellung und Bearbeitung von Canvas Apps, Code Apps, Generative Pages). Copilot Studio Skills (Agents erstellen, testen, warten).

Zwei Ankündigungen machten das Thema auf der EPPC greifbar. Der Canvas Authoring MCP Server ist in Public Preview. Er verbindet einen Coding-Agent mit Power Apps Studio und liefert Tools, um Controls zu durchsuchen, Datenquellen zu erkunden und Canvas-Code zu synchronisieren. Das Power Automate Plugin für Agentic Coding (ab Juli 2026) macht es möglich, Flows in natürlicher Sprache zu erstellen, zu debuggen und zu verwalten. Für Power Pages gibt es das entsprechende Plugin bereits als allgemein verfügbare Version.

Wie geht es weiter?

Franziska fasste es am Ende des Meetings so zusammen: Microsoft arbeitet gerade an vielen Fronten gleichzeitig. Wo genau die Grenze zwischen Vibe Apps und Code Apps verläuft, ist noch nicht klar. Spannend wird, wie sich die Bausteine in den nächsten Monaten zusammenfügen.

Die Power Platform User Group Ruhrgebiet trifft sich seit Januar 2020 regelmäßig. Die Gruppe ist offen für alle, die die Microsoft Power Platform im Unternehmen einsetzen oder einführen wollen. Einstieg jederzeit.

Folien zum 19. Meeting

Die Präsentation zur European Power Platform Conference 2026 steht als PDF zum Download bereit.

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