Hunderte Nutzungsverträge, ein Assistent: KI-gestützte Vertragsübernahme mit Generative Pages

ki-gestuetzte Vertragsuebernahme

Im Februar haben wir gezeigt, wie ein Power Automate Flow Nutzungsverträge ausliest und nach Dataverse schreibt. Seitdem haben wir die Funktion neu entwickelt. Aus dem automatisierten Flow ist ein Assistent geworden, der Sie in sechs Schritten durch die Datenübernahme führt. Möglich macht das eine junge, inzwischen allgemein verfügbare Technologie der Microsoft Power Platform: Generative Pages.

Der Moment, in dem das Portfolio zur Fleißarbeit wird

Ein Windpark wechselt den Eigentümer. Im Datenraum liegen Nutzungsverträge, Nachträge, Grundbuchauszüge und Flurstückslisten. Jeder Vertrag nennt Vertragsparteien, Laufzeiten, Kündigungsfristen, Entgelte und Flurstücke. Bei einem Portfolio mit mehreren Betreibergesellschaften summiert sich das schnell auf Hunderte Dokumente.

Nach dem Closing beginnt die eigentliche Arbeit. Alles, was im Datenraum nur gelesen wurde, muss in das eigene System. Bis dahin gilt: Wer wissen will, wann ein Pachtvertrag verlängert werden muss, öffnet ein PDF. Oder fragt die Kollegin, die das Portfolio übernommen hat.

Typischerweise passiert die Übernahme dann in Handarbeit. Jemand öffnet das PDF, liest, tippt ab und prüft, ob der Grundeigentümer bereits als Kontakt existiert. Das ist fehleranfällig, schlecht planbar und bindet genau die Leute, die eigentlich den Park integrieren sollen.

Was der Vertragsassistent daran ändert

Der neue Vertragsassistent dreht die Reihenfolge um. Sie laden das PDF hoch, die Analyse läuft, und das System schlägt vor. Sie prüfen, korrigieren und entscheiden. Erst danach entsteht ein Datensatz.

Vertragsassistent in Power Apps: Startbildschirm mit Prozessleiste und Upload-Feld für das Vertragsdokument
Schritt 1: Das Vertragsdokument wird als PDF hochgeladen. Die Prozessleiste zeigt alle sechs Stationen.

Der Assistent führt Sie durch sechs Schritte: Dokument hochladen, Basisdaten prüfen, Nutzungsvertragsdetails prüfen, Flurstücke prüfen, Kontakte prüfen, Datensatz speichern. Jeder Schritt zeigt nur die Felder, die zu ihm gehören. Sie sehen nie ein Formular mit 60 Feldern.

Links stehen die erkannten Werte, rechts das Original. Das PDF bleibt während der gesamten Prüfung sichtbar und durchsuchbar. Ein Klick in die Volltextsuche zeigt, an welcher Stelle im Vertrag ein Wert steht. Bei einem Dokument mit 29 Seiten ist das der Unterschied zwischen Prüfen und Suchen.

Geteilte Ansicht: links die erkannten Vertragsdaten in Eingabefeldern, rechts die PDF-Vorschau des Nutzungsvertrags
Schritt 2: Basisdaten prüfen. Vertragsbeginn, Vertragsende, Beendigungsmodus und Kündigungsbesonderheiten stehen neben dem Originaldokument.

Kurzausflug: Was sind Generative Pages?

Generative Pages sind eine junge Ergänzung der Microsoft Power Platform. Microsoft hat sie im November 2025 zunächst in den USA allgemein verfügbar gemacht und die Verfügbarkeit seitdem auf weitere Regionen ausgeweitet. Sie erlauben eine eigene Oberfläche auf Basis von React und TypeScript, die innerhalb einer modellgesteuerten Power App läuft.

Der Unterschied zur klassischen Power App ist praktisch relevant. Modellgesteuerte Apps geben Formulare und Sichten vor. Das ist robust, aber starr. Für einen Assistenten mit Prozessleiste, geteilter Ansicht und feldweiser Konfliktauflösung reicht das nicht.

Die naheliegende Alternative wären Code Apps gewesen, also eine eigenständige Anwendung mit voller Gestaltungsfreiheit. Genau das wollten wir nicht. Der Vertragsassistent gehört dorthin, wo die Vertragsdaten ohnehin gepflegt werden, und nicht in ein zweites Fenster daneben.

Generative Pages schließen diese Lücke. Sie bringen die Freiheit einer eigenen Weboberfläche mit, bleiben aber Teil der App. Dataverse, Sicherheitsrollen, Geschäftslogik und Governance gelten unverändert. Es entsteht keine zweite Anwendung neben dem System, sondern ein Baustein darin.

Ein praktischer Hinweis für alle, die das selbst ausprobieren möchten: Das Erstellen im Browser ist derzeit auf Umgebungen in bestimmten Regionen beschränkt. Wir entwickeln deshalb code-first über die Werkzeuge zur KI-gestützten Codegenerierung, die weltweit auf den Public Clouds verfügbar sind. Für den Betrieb in einer deutschen Umgebung ist das der praktikable Weg.

Abgleich statt Dublettenfriedhof

Der wichtigste Unterschied zur klassischen Dokumentenanalyse liegt im Abgleich. Ein Grundeigentümer taucht in zehn Verträgen auf. Ohne Abgleich entstehen zehn Kontakte. Genau so entstehen die Datenbestände, über die sich später alle ärgern.

Der Assistent gleicht jeden erkannten Vertragspartner mit Dataverse ab und markiert das Ergebnis. Drei Fälle sind möglich:

  • Neu: Der Wert steht im Vertrag, aber noch nicht im System.
  • Bestand: Der Wert ist bereits vorhanden und stimmt überein.
  • Konflikt: Vertrag und Datenbank widersprechen sich.
Vertragsassistent zeigt mehrere mögliche Dataverse-Datensätze zu einem erkannten Vertragspartner zur Auswahl an
Schritt 5: Mehrere mögliche Datensätze gefunden. Sie wählen den richtigen aus oder legen die Partei neu an.

Bei einem Konflikt entscheiden Sie pro Feld. Sie übernehmen den Wert aus Dataverse, den Wert aus dem Vertrag oder einen eigenen. Ein Beispiel: Im System steht Musterweg 45, im Vertrag steht Musterweg 35. Eine Software kann diese Frage nicht beantworten. Ein Mensch kann es, wenn er beide Werte nebeneinander sieht.

Konfliktauflösung im Vertragsassistenten: Dataverse-Wert und KI-Wert stehen nebeneinander, der Anwender wählt den finalen Wert
Konflikt im Feld Straße: Sie entscheiden, welcher Wert gespeichert wird. Der Vorgang bleibt nachvollziehbar.

Beziehungen entstehen mit, nicht danach

Ein Vertrag ist kein isolierter Datensatz. Er hängt an Personen, Unternehmen, Flurstücken und einem Projekt. Beim Speichern legt der Assistent diese Verknüpfungen automatisch an, inklusive der Beziehungen zwischen Projekt, Nutzungsvertrag und Projekt-Flurstück.

Damit ist die Datenübernahme nicht nur schneller. Sie liefert einen Bestand, mit dem Sie arbeiten können. Fristen lassen sich auswerten, Flurstücke einem Projekt zuordnen, Ansprechpartner finden, ohne ein PDF zu öffnen.

Neuanlage eines Vertragspartners im Assistenten, daneben die Volltextsuche im PDF mit hervorgehobenen Treffern
Neuanlage einer Vertragspartei. Die Volltextsuche im PDF markiert die Fundstellen im Dokument.

Warum das bei Transaktionen den Unterschied macht

Bei einem einzelnen Vertrag ist manuelle Erfassung verkraftbar. Bei einer Transaktion mit hunderten Dokumenten wird daraus ein Projekt mit eigenem Zeitplan. Drei Punkte sind uns dabei wichtig:

  • Skalierung ohne Personalaufbau: Die Prüfung ersetzt das Abtippen. Der Aufwand je Vertrag sinkt deutlich, die Sorgfalt bleibt.
  • Fristen ab Tag 1: Kündigungstermine und Verlängerungsstichtage sind ab dem Closing auswertbar, nicht erst nach Monaten der Nacherfassung.
  • Nachvollziehbarkeit: Jede Übernahme wurde von einem Menschen bestätigt. Das ist bei Due Diligence und Wirtschaftsprüfung ein Argument.

Aus unseren Tests: Ein Nutzungsvertrag mit 29 Seiten ist im einstelligen Minutenbereich geprüft und gespeichert. Den Vergleich zur manuellen Erfassung beziffern wir bewusst nicht pauschal. Er hängt von Vertragstyp, Feldtiefe und Datenqualität im Bestand ab. Genau das messen wir im Pilotprojekt an Ihren eigenen Dokumenten.

Wie die Analyse technisch abläuft

Nach dem Upload wird das Dokument analysiert. Die Analyse läuft über Azure AI Foundry in der EU Data Zone, also innerhalb der EU-Datengrenze. Für Vertragsdokumente ist das keine Nebensache, sondern oft die erste Frage der Rechtsabteilung.

Das Modell liefert die erkannten Informationen strukturiert zurück: Vertragsdaten, Vertragsparteien, Nutzungsvertragsdetails und betroffene Flurstücke. Diese Struktur ist die Schnittstelle zwischen Analyse und Anwendung. Sie bestimmt, was die Generative Page anzeigen kann.

Danach übernimmt der Abgleich mit Dataverse. Jeder Wert bekommt einen Status, jede erkannte Partei wird gegen den Bestand geprüft. Erst am Ende, im sechsten Schritt, wird geschrieben.

Wir nennen das Human-in-the-Loop, und wir meinen es wörtlich. Kein erkannter Wert landet ungeprüft im Datenmodell. Die KI schlägt vor, Sie entscheiden. Bei Verträgen mit wirtschaftlicher Tragweite halten wir alles andere für nicht vertretbar.

Was wir dabei gelernt haben

Drei Punkte haben sich aus der Entwicklung ergeben:

  • Die Oberfläche ist der schwierige Teil. Text aus einem PDF zu extrahieren, ist heute Standard. Die Ergebnisse so zu zeigen, dass ein Sachbearbeiter sie in Minuten prüfen kann, ist die eigentliche Arbeit.
  • Vertrauen entsteht durch Sichtbarkeit. Anwender akzeptieren KI-Vorschläge dann, wenn sie die Fundstelle im Original sehen. Die PDF-Vorschau war im Nachhinein die wichtigste Entscheidung.
  • Datenqualität schlägt Geschwindigkeit. Ein schneller Import mit Dubletten kostet später mehr Zeit, als er spart. Deshalb der Abgleich vor dem Speichern.
  • Der Datenschnitt gehört an den Anfang. Eine Generative Page verknüpft eine begrenzte Zahl von Dataverse-Tabellen. Welche Entitäten der Assistent braucht, sollten Sie klären, bevor die erste Zeile Code entsteht.

Live auf der WindEnergy Hamburg

Wir zeigen den Vertragsassistenten auf der WindEnergy Hamburg, vom 22. bis 25. September 2026, in Halle A3 an Stand 602. Bringen Sie gern einen typischen Vertragstyp aus Ihrem Bestand mit. Am Stand lässt sich in wenigen Minuten zeigen, wie der Assistent damit umgeht.

Termin am Stand vereinbaren  ·  vertrieb@apptech.de

So unterstützt applied technologies Sie

Der Vertragsassistent ist Teil unserer Arbeit an apptech Business Essentials RE, der Branchenlösung für Wind- und Solarparkbetreiber auf Microsoft Power Platform. Sie deckt den Projektlebenszyklus von der Genehmigung über den Bau bis zum Betrieb ab.

Wenn Sie prüfen möchten, wie sich Ihre Vertragsübernahme automatisieren lässt, starten wir mit einem Pilotprojekt. Wir nehmen einen echten Vertragstyp aus Ihrem Bestand, definieren die benötigten Felder und zeigen das Ergebnis an Ihren eigenen Dokumenten. Der Aufwand bleibt überschaubar, das Ergebnis ist belastbar.

Den technischen Vorgänger dieser Lösung haben wir im Februar beschrieben: KI-gestützte Vertragsanalyse mit Power Automate und Dataverse.

Sprechen Sie uns an: vertrieb@apptech.de oder telefonisch unter 0201 8127 334.

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